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Im Internet mehr als 200 Artikel/Verweise von Tiesel - zum Thema Klimawandel/globale Erwärmung/Treibhauseffekt (klicken)

 

KAPITEL :

KLIMAWANDEL / KLIMAÄNDERUNG ,

GLOBALE ERWÄRMUNG,

TREIBHAUSEFFEKT

 

 

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Nachfolgende Beiträge von Tiesel zum Klimawandel sind chronologisch geordnet

- jüngster Beitrag zu Beginn.

Am Ende ein Klimastatement der Dt. Met. Gesellschaft zur globalen Erwärmung der Erde.

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Vortrag

Text und Abbildungen

für Tagungsband 15, 7. Rostocker Abwassertagung (6.und 7.Nov.2008),

Univ. Rostock, Inst. für Umweltingenieurwesen.

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Klimaänderung in den letzten 20 Jahren

im Raum Rostock

Dr. Reiner Tiesel

Deutscher Wetterdienst

(Oktober 2008)

 

Auch im Raum Rostock ist besonders in den letzten 20 Jahren infolge der globalen Erwärmung eine markante Änderung des Klimas eingetreten.

Infolge des Treibhauseffektes verlagert sich die subtropische Hochdruckzone in den letzten Jahrzehnten langsam weiter nach Norden. Damit kommt es auch in Norddeutschland zu Wetterprozessen die oft subtropischen Charakter haben - wie Hitze- und Trockenperioden, südländische Gewitter mit schweren Sturmböen und unwetterartige Regenfälle. Selbst Tornados, auch über der Ostsee, bilden sich infolge des höheren Wärmepotentials intensiver und öfters aus als früher.

Gleichzeitig verschiebt sich auch die sonst unser Klima bestimmende westliche Höhenwindströmung besonders im Sommerhalbjahr wiederholt in den skandinavischen Raum, so dass auch Rostock häufiger in den Einflußbereich des südländischen Azoren-Hochdruckkeils kommt.(Abb. 1)

 

Abb. 1 : Einfluß des Azoren-Hochkeils , Höhen-Westwindjet über Nordeuropa

 

Eine weitere Folge der Nordverlagerung der Höhen-Westwinddrift ist, dass die sonst in unseren Sommern üblichen anhaltenden, monsunartige Westwindwetterlagen zwischen Nordatlantik und Mitteleuropa - wie Schafkälte und Siebenschäfer - ausbleiben oder stark modifiziert werden. Ähnliches kann man auch bei anderen meteorologischen Singularitäten beobachten, wie Aprilwetter, Eisheiligen, Hundstage, dem Altweibersommer und Weihnachtstauwetter.

Besonders deutlich zeichnet sich dieser Klimawandel im thermischen Bereich ab - vor allem bei der Temperatur und bei der Analyse der letzten Sommer und Winter.

Wie in ganz Mitteleuropa, so ist auch im Rostocker Raum während der letzten 20 Jahre die Lufttemperatur stark angestiegen, sind die Sommer viel wärmer und die Winter immer milder geworden.

Natürlich wirkt sich diese großräumige Erwärmung auch auf andere Wetter- und Klimaelemente aus , so auch auf Luftdruck, Wind , Niederschlag und Sonnenscheindauer.

Die globale Erwärmung in Rostock zeigt sich besonders eindrucksvoll bei einer Betrachtung des Verlaufs der Jahresmitteltemperatur der Wetterstation in Rostock-Warnemünde .

Nach den letzten drei zusammenhängenden schweren Wintern 1984/85 , 1985/86 und 1986/87 ist die Jahresmitteltemperatur ständig (Ausnahme 1996) und extrem stark angestiegen. (Abb.2)

 

Abb. : 2 Extremer Anstieg der Jahresmitteltemperatur in Rostock seit 1988

 

Betrug die Mitteltemperatur 1988 noch rund 8.3 Grad Celsius, so lag sie 2007 bei über 8.7 Grad C. Dieser Anstieg der Jahresmitteltemperatur in den letzten nur 20 Jahren um rund 0.4 Grad C. ist keine Klimaschwankung, sondern spricht eindeutig für eine thermische Klimaänderung in der Rostocker Region.

Auch die Tatsache, dass seit April 2006 bis August 2008 jeder Monat zu warm war, charakterisiert sehr gut diese außergewöhnliche Erwärmung.

Durch den stärkeren Einfluß des Azorenhochs bilden sich jetzt im Sommerhalbjahr bedeutend häufiger wolkenarme, trockene und sehr warme Großwetterlagen wie 'Hoch Mitteleuropa' und 'Hochdruckbrücke Mitteleuropa' über unserer Region aus.

Als Folge hat sich auch über Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahrzehnten der mittlere Luftdruck am Boden erhöht. (Abb. 3)

 

Abb. 3 : Zunahme des Luftdruckes am Boden in Rostock, besonders seit 1990

 

Mit der wiederholten Nordverlagerung der sonst über Südeuropa und dem Mittelmeer verlaufenden subtropischen Hochdruckzone haben sich auch in Norddeutschland in den letzten Jahren oft sehr heiße Sommer eingestellt. (Abb. 4)

Abb. 4 : Außergewöhnlich häufiges Auftreten extrem heißer Sommer in Rostock seit 1992

 

Seit dem Krieg gab es nur sporadisch sehr heiße Sommer ; so 1947, 1959 und 1975. Seit 1992 aber treten in großer Häufigkeit noch heißere Sommer auf.

So waren die sieben Sommer 2006, 1997, 2002 , 2003 , 1992, 1995 und 1994 in der Reihenfolge ihrer Wärmesumme die heißesten Sommer der wenigstens letzten 100 Jahre in Rostock.

Die stärkere Ausprägung wolkenarmer Hochdruckgebiete über Mitteleuropa in den letzten Jahren führte auch dazu, dass die Sonnenscheindauer - nach einem Minimum um 1980 - wieder ansteigt. (Abb. 5)

Abb. 5 Erhöhung der jährlichen Sonnenscheindauer in Rostock, besonders seit 1990

 

Ebenso markant wie die Sommer verändern sich durch die globale Erwärmung auch unsere Winter.

Weil Mitteleuropa und damit auch Rostock in den letzten Jahrzehnten im Winter vorwiegend direkt in Bereich der unser Wetter bestimmenden relativ milden Westwindströmung lag - und nicht auf die so genannten kalte Nordseite des Westwindjets gelangte - werden seit langer Zeit unsere Winter immer milder. In den letzten Jahren sind sie wiederholt sogar total ausgeblieben. (Abb. 6)

Abb. 6 : Winter in Rostock seit 1890, deutliches Nachlassen der Winterstrenge seit den schweren Kriegswintern

 

Ein Nachlassen der Winterkälte in Mitteleuropa kann man seit den drei extremen Kriegswintern 1939/40, 1940/41 und 1941/42 und dem schweren Nachkriegswinter 1946/1947 beobachten. Danach fror nur noch 1962/63, also vor über 40 Jahren, die Ostsee das letzte Mal total zu. Eine letzte Teilvereisung der Ostsee ereignete sich im Winter 1995/96 , also vor 12 Jahren.

Nach den drei noch recht kräftigen Wintern 1984/85, 1985/86 und 1986/87 begann sich offensichtlich auch in Rostock die globale Erwärmung erst so richtig durchzusetzen.

So traten nach dem Katastrophenwinter 1986/87 - also in den vergangenen 20 Jahren - fast ausschließlich nur milde oder sehr milde Winter im Rostocker Raum auf (Ausnahme die Winter 1995/96 und 2002/03). Ein Trendbetrachtung weist auch deutlich darauf hin, dass das Auftreten eines schweren Eiswinters in der heutigen anhaltenden Erwärmungsperiode unseres Klimas immer unwahrscheinlicher wird. Offensichtlich auch deshalb, weil das Kälteregime um den Nordpol durch das Abschmelzen des Eises immer mehr an Energie verliert.

Markant haben sich in den letzten 20 Jahren durch den Klimawandel auch die Niederschläge verändert.

Im Winter treten jetzt häufiger Niederschläge auf, weil unsere Region in den Wintermonaten wiederholt direkt in der wechselhaften, verhältnismäßig milden und regnerischen Westwindströmung liegt.

Diese Niederschläge fallen infolge der globalen Erwärmung kaum noch als Schnee, sondern fast ausschließlich als Regen. Ein Grund dafür ist, dass sich ausgerechnet die früheren wahren Wintermonate Januar und Februar durch den Treibhauseffekt in dem letzten Jahrzehnt von allen Monaten am stärksten erwärmt haben; der Januar um +0.3 Grad Celsius und der Februar um + 0.4 Grad C.

 

Im Sommer - deutlich seit den heißen Sommern ab 1992 - traten einerseits anhaltende Trockenperioden auf, andererseits kam es besonders in Verbindung mit kräftigen Gewittern oft zu Starkregenfällen.

In Rostock haben infolge der zunehmenden Trockenperioden die mittleren Regentage im Jahr von rund 180 in den letzten 20 Jahren um etwa 15 Tage abgenommen.

Trotzdem zeigt der Trend, dass in dem letzten Jahrzehnt die jährliche Regensumme angestiegen ist. (Abb. 7)

Abb. 7 : Trend der Zunahme der jährlichen Regensumme in Rostock - besonders in den letzten 10 Jahren

 

Die Ursache dafür, dass trotz weniger Regentage heute im Mittel im Jahr mehr Regen fällt als früher sind die häufigeren Tage mit Starkregenfällen - vor allem in Verbindung mit starken Gewittern die oft südeuropäischen Charakter haben.

Deutlich wird das, wenn man zum Beispiel die Tage mit Regen-Katastrophen - also mit über 40 Liter/qm Niederschlag innerhalb 24 Stunden - betrachtet. In den letzten 60 Jahren seit dem Krieg , sind allein über 40% dieser Unwettertage in den letzten nur 17 Jahren aufgetreten. (Abb. 8)

 

Abb. 8 : Unwetter-Regentage mit über 40 Liter/qm seit 1947; viele Tage seit 1990

 

Auch die Zunahme der Tage mit intensivem Starkregen sprechen für eine Art Klimawandel, weil diese wolkenbruchartigen und meist gewittrigen Niederschläge oft subtropischen Charakter haben.

Das bedeutet aber auch, dass zukünftig immer mehr die Gefahr besteht, dass es - besondere bei hochsommerlichen Gewitterlagen - häufiger zu diesen oft kurzfristigen unwetterartigen Starkregenfällen mit Überschwemmungen, mit Hagel und Sturmböen kommt.

Weil diese schweren und oft kurzzeitigen Regenfälle wiederholt nach einer längeren Trockenperiode auf stark ausgetrockneten Erdboden fallen, nimmt der Boden kaum den Regen auf und das Wasser wird oberflächlich rasch abgeführt. Die Folge ist, dass es nicht nur zu Überschwemmungen sondern auch zu starken Bodenerosionen kommt. Diese Art der Überflutungen sind gefährlicher als die früheren Überschwemmungen, die ab und an bei monsunartigen Westwetterlagen (Schafkälte,Siebenschläfer/ Ostseewochenwetter) durch anhaltende Regenfälle aufgetreten sind. Bei diesen Regen-Großwetterlagen mit tagelang großflächigem Überregnen konnte der Regen zum Teil ganz gut in den Boden eindringen.

Ein Grund weshalb in den letzten Jahren wiederholt direkt im Rostocker Stadtgebiet schwere Regengüsse aufgetreten sind, dürfte das Wasser von Warnow , Hafen und Breitling sein. Als Wetterscheide stagnieren die von Westen einlaufenden Gewitterfronten über dieser langgezogenen Wasserfläche. Da vor allem im Sommer das Wasser dieser Rostocker Gewässer immer wärmer wird, wird durch die Einspeisung von energiereicher Feuchtthermik in die unteren Luftschichten die Intensität und die Dauer der meist gewittrigen Starkregenfälle verstärkt.

Die allgemeine Ursache für die Häufung sehr kräftiger Niederschläge auch in unserer Region ist, dass sich die Luftmassen durch den Treibhauseffekt in allen Jahreszeiten immer stärker erwärmen. Damit können diese wärmeren Luftmassen nicht nur bedeutend mehr Feuchtigkeit aufnehmen, sondern sie können die Feuchtigkeit bei den dann wiederholt kräftigeren Umlagerungsvorgängen als Starkregen auch schnell wieder abgeben.

Die globale Erwärmung hat auch Einfluß auf die Windsituation in der Rostocker Region genommen. Insgesamt hat dadurch die mittlere jährliche Windgeschwindigkeit in den letzten 20 Jahren in Rostock um über 0.2 m/s zugenommen. (Abb. 9)

 

Abb. 9 : Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit in Rostock in den letzten 20 Jahren

 

Ein großer Beitrag zum Anstieg der Windgeschwindigkeit in den letzten 20 Jahren im Rostocker Küstenraum kommt von den Wintermonaten, die heute wesentlich stärkeren Wind haben als früher. Mit eine Ursache dafür ist, dass sich in den kalten Wintermonaten heute kaum noch windarme , kalte östliche Großwetterlagen ausbilden.

Dafür entstehen in der starken wetterbestimmenden westlichen Höhenströmung , die im Winter sehr oft über Mitteleuropa verläuft, häufiger Stürme und Orkane. Durch den Aufeinanderprall sehr unterschiedlicher thermischer Luftmassen während dieser Jahreszeit entwickeln sich innerhalb dieser globalen Luftströmung oft sehr schwere Tiefdruckgebiete. Nicht selten drückt auf der West- und damit Rückseite der nach Osten durchziehenden Sturmtiefs das Orkanfeld der Höhe bis zum Boden durch, wie auch zum Beispiel beim schweren Orkan KYRILL. ( Abb. 10)

Abb. 10 : Jahrhundertorkan KYRILL am 18. Januar 2007

 

In den letzten Jahren konnte man auch immer stärker beobachten, dass wiederholt ehemalige Hurrikane die mit der Westwinddrift über den Nordatlantik ostwärts ziehen, als so genannte Ex-Hurrikane noch schwere Stürme in Europa verursachen. Weil durch die globale Erwärmung die Anzahl der Hurrikane zunimmt, nimmt auch die Anzahl der auf Europa übergreifenden schweren Tiefdruckgebiete zu.

Das Ansteigen der sehr schweren Stürme und Orkane in den letzten Jahrzehnten ist auch die Ursache für eine Zunahme unserer Ostsee-Sturmfluten.

 

Als Fazit kann man feststellen, dass die globale Erwärmung auch im Rostocker Raum kräftigen Einfluß auf alle Wetterelemente und viele Wetterprozessse und damit auf das Klima genommen hat und weiter nehmen wird.

Haben durch das höhere Wärmeenergiepotential einerseits Tage mit schweren Wettervorgängen - wie Gewitter, Hagel, Starkregen, Sturmböen und Tornados - merklich zugenommen, haben andererseits Tage mit schweren Winterkatastrophen deutlich nachgelassen.

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Referent

Dr. Reiner Tiesel

Mecklenburger Allee 14 ; 18109 Rostock-Lichtenhagen

Tel./Fax : 0381 719771 ; Mobil : 0173 9575009 ; Email: dr@tiesel.de ; Homepage: www.tiesel.de

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Allgemeine Anzeichen

für eine Klimaänderung in Norddeutschland/Mecklenburg.-V.

(Dr.Tiesel , 2001-2008)

 

1. Wetterelemente:

Temperatur:

Für eine Änderung unseres Klimas allmählich immer weiter weg vom Klima der gemäßigten Breiten in Richtung der subtropischen Hochdruckzone sprechen neben der zunächst allmählichen Erhöhung der Temperatur seit 1965 die extremen Erwärmung seit 1988.

Luftdruck:

In den letzten Jahrzehnten ist der Luftdruck angestiegen. Von 1962 bis 1997 um rund 0.5 hPa. Offensichtlich ein Kennzeichen für die Nordverlagerung der südeuropäischen, subtropischen Hochdruckzone.

Niederschlag: 

Für eine Klima-Modifizierung spricht auch die deutliche Abnahme des Niederschlags seit dem Krieg bis etwa 1980 und die anschließende nur sehr leichte Zunahme.

Wind:

Für eine Klimaänderung spricht auch die recht markante Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit in den letzten rund 20 Jahren.

Ein Grund dafür dürfte das Ausbleiben schwerer Winter seit rund 15 Jahren (Ausnahme 1995/1996) sein, die in der Regel recht windschwach sind.

 

2. Wetterprozesse:

Starkniederschlag: 

Obwohl die Tage mit Niederschlag im Jahr nachgelassen haben, haben sich in den letzten Jahrzehnten die Tage mit Starkniederschlag markant erhöht. Das spricht auch dafür, dass das Wetter der Suptropen zunehmend Einfluß auf unser Wetter nimmt.

Gewitter

Die Stärke der Gewitter hat zugenommen. Sie haben immer mehr subtropischen Charakter.

Ostsee-Tornados:

Über der Ostsee bilden sich verstärkt Tornados oder Wassertromben aus.

Der Grund dürfte die Erhöhung der Wassertemperatur und damit die Erhöhung des feuchten Energiepotentials sein.

Trockenperioden

Immer häufiger kommt es zu niederschlagsfreien oder niederschlagsarmen und damit auch im Sommer zu heiße Perioden.

Die Ursache sind meist subtropische Hochdruck-Großwetterlagen über Mitteleuropa.

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Eine Folge des Treibhauseffektes:

der Winter 2006/07

war der wärmste der letzten 100 Jahre !

(Dr. Tiesel, 28. Februar 2007)

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Der Winter 2006/07 geht in die norddeutsche Klimageschichte ein, weil er der wärmste Winter seit wenigstens 1900 war.

Ohne Zweifel eine Auswirkung der globalen Klimaänderung und damit des Treibhauseffektes.

In der Meteorologie ist die Kältesumme - die Summe der negativen Tagesmitteltemperaturen - ein Kriterium für die Kälte eines Winters.

In dem zurückliegenden Winter 2006/07 traten zum Beispiel in Rostock-Warnemünde nur an 7 Tagen negative Tagesmitteltemperaturen auf und die Kältesumme lag bei 10.3 Grad Kelvin. Normal sind 37 Tage und eine Kältesumme von 112 Grad Kelvin.

Bis 1900 zurück waren nur zwei Winter ähnlich extrem mild. Das waren die Winter der jüngeren Vergangenheit 1974/75 mit 11.0 Grad K. und 1999/2000 mit 10.7 Grad K.

Gewaltig ist auch der Kontrast zum vergangenen, harten Winter 2005/06.

Der dauerte von Ende November bis Mitte März sehr lange an, er hatte 43 Tage mit Schneedecke und verursachte vier schwere Winterkatastrophen.

Die Hauptursache für die abnorme Wärme des aktuellen Winters 2006/07 liegt darin, dass wir fast ausschließlich auf der warmen Südseite der unser Wetter bestimmenden Höhen-Westwinddrift lagen.

Als Folge blieben Großwetterlagen mit östlichen Kaltluftströmungen prinzipiell aus, und nur auf der Rückseite durchziehender starker Tiefs kam es zu drei kurzen Kaltlufteinbrüchen aus Nordwest bis Nordost.

Dafür dominierten fast den gesamten Winter über milde Großwetterlagen. Insbesondere waren es regenreiche, windige Südwest- und Westlagen unter denen fast ohne Unterbrechung mit häufigen nordatlantischen Tiefs Wärmluftmassen nach Mitteleuropa/Deutschland geführt wurden.

Ein zweiter Grund für die einmalige Wärme des Winters 2006/07 war die Fortsetzung der außergewöhnlichen Rekordhitze des Herbstes in den Winter hinein, so dass vor allem der überwärmte Boden und das sehr warmer Wasser der Ostsee das Aufkommen eines normalen Winters mit verhinderte.

Derartig extrem milden Wintern folgt fast immer ein merklich zu warmes Jahr nach.

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Treibhauseffekt - alle Monate werden wärmer

(Dr. Tiesel , 3.März 2005)

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Der Treibhauseffekt bewirkt, dass seit 1987 in Mitteleuropa nicht nur die Jahresmitteltemperaturen ständig und stark ansteigen, sondern dass auch alle Monate des Jahres in den letzten zehn Jahren wärmer geworden sind.

Nach der Rostocker Temperaturreihe hat sich die Jahresmitteltemperatur von 1987 (8.32 Grad C.) bis 2004 (8.65 Grad C.) um mehr als 0.3 Grad Celsius erhöht. Dieser kontinuierliche und kräftige Anstieg der Jahresmitteltemperatur in den letzten fast 20 Jahren wurde nur 1996 durch den starken Europawinter 1995/1996 leicht unterbrochen.

Die Erwärmung durch den Treibhauseffekt prägt sich besonders stark nach 1987 aus, weil das Temperaturminimum 1987 die Folge der drei starken Winter 1984/1985 bis 1986/1987 war.

Nach dem Krieg kann man bis zum Schneewinter 1969/1970 noch keine Erwärmung und damit keinen Einfluß des Treibhauseffektes feststellen. Die Temperaturen schwankten kräftig hin und her - auch in Abhängigkeit von extrem kalten Wintern wie 1955/1956 und 1962/1963.

Ab 1970 deutet sich dann allmählich die globale Erwärmung durch den Treibhauseffekt an.

Aber der vorübergehend einsetzende Anstieg von 1970 bis 1987 um knapp 0.1 Grad, hatte sein Maximum mit dem sehr heißen Sommer 1975.

So beeinflussen extrem kalte Winter und sehr heiße Sommer auch ganz markant das Auftreten und den Charakter des Treibhauseffektes.

Sehr augenscheinlich drückt sich das in den letzten rund 15 Jahren aus, wo durch das Ausbleiben harter Winter (Ausnahme 1995/1996) und die häufigen extrem heißen Sommer - beginnend mit 1992 - sich die globale Erwärmung unseres Kontinents durch den Treibhauseffekt sehr deutlich bemerkbar macht.

Diese Erwärmung, die nicht nur Europa erfaßt, schlägt sich auch gut in den einzelnen Monaten des Jahres nieder. Auch nach der Rostocker Temperaturreihe sind seit 1996 alle Monate wärmer geworden. Am stärksten haben sich in den letzten zehn Jahren die Monate Februar (um 0.40 Grad) , August (0.24 Grad), März (0.22 Grad) und April (0.21 Grad) erwärmt. Am wenigsten zeigt sich die Erwärmung in den Monaten Oktober und November (beide 0.04 Grad).

 

Entscheidend für diese unterschiedliche Verteilung der Erwärmung auf die einzelnen Monate ist auch die weiter zunehmende Änderung der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre der Erde und damit auch der Erdströmungen und Großwetterlagen durch den Treibhauseffekt.

Infolge des Treibhauseffektes verschieben sich auf der Nordhalbkugel und damit auch über Europa die Wetterzonen - subtropischer Hochdruckgürtel, Westwindzone und subpolare Tiefdruckrinne - immer weiter vom Äquator in Richtung Nordpol.

Im Winter und Frühling verhindert die globale Erwärmung immer mehr, dass Mitteleuropa in die kalte subpolare Tiefdruckrinne kommt.

Die Folge ist, dass besonders im sonst so kalten Februar nur noch selten anhaltend kalt-trockene Ostwetterlagen auftreten, und es seit 1987 nur einen einzigen richtig schweren Winter (1995/1996) gab.

Dagegen verbleibt Mitteleuropa besonders in den Wintermonaten immer häufiger direkt unter der Westwindzone der Höhe und damit am Boden in einer mild-feuchten Luftströmung vom Nordatlantik.

Diese relativ starke Erwärmung im Winter und Frühling schlägt sich in der markanten Erwärmung der Monate Januar bis April (um 0.2 bis 0.4 Grad) nieder.

Im Sommer verlagert sich der subtropische Hochdruckgürtel immer stärker nach Mittel- und Nordeuropa, was sich in der starken Erwärmung der Monate August und September (um 0.2 bis 0.3 Grad ) widerspiegelt.

In den kommenden Jahrzehnten ist damit zu rechnen, dass die globale Erwärmung nicht nur anhält, sondern sich weiter verstärken wird, so dass auch die Eismassen der Pole zunehmend abschmelzen.

Das hat zur Folge, dass sich die warmen Klimazonen der Erde weiter in Richtung Nord- und Südpol bewegen, was katastrophale Auswirkungen haben wird.

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Mörderische Tsumamis und Treibhauseffekt

(Dr. Tiesel, Jan. 2005)

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 Tsunamis sind eine der gewaltigsten Naturerscheinungen unserer Erde mit meist katastrophalen Auswirkungen.

Inwieweit der bestehende Treibhauseffekt die Entwicklung von schweren Tsunamis - wie aktuell in Südostasien - begünstigt, ist sehr unbestimmt und bedarf jahrelanger Untersuchungen von Experten.

Eine direkte Beeinflussung der sich erwärmenden Luftschicht der Erde kann man wohl ausschließen.

Allerdings wäre ein indirekter Einfluß des Treibhauseffektes auf die Erddektonik und damit vor allem auf die Bruchzonen der Erdrinde über die abschmelzenden Erdeismassen denkbar.

Denn dieser Abschmelzprozeß der Eismassen vermindert einerseits das Gewicht der Landmassen - was möglicherweise in diesen Gebieten zu erhöhten Vulkanausbrüchen u. ä. führen kann.

Anderseits verstärkt sich dadurch - über eine Erhöhung des Meeresspiegels - das Gewicht der Wassermassen auf den Erdmantel.

So haben zum Beispiel dänische Wissenschaftler - die seit Jahrzehnten das Grönlandeis untersuchen - festgestellt, dass die Eismassen Grönlands von 1995 bis 1999 jährlich etwa 50 Kubikkilometer Eis verloren haben, was genügt, den globalen Meeresspiegel der Erde um über 0.1 Millimeter im Jahr anzuheben.

Inwieweit die Erhöhung des Meeresspiegels bei dem aktuellen extremen Seebeben mit schweren Tsunamis im Indischen Ozean bereits eine Rolle spielte, bleibt dahingestellt.

Nach Meinung vieler Wissenschaftler sind die Hauptursache für diese Weltkatastrophe weniger meteorologisch-hydrologische als geophysikalisch-seismologisch Gründe.

Denn nach Meinung der Experten schob sich die indisch-australische Erdplatte im Raum des Indischen Ozeans bei diesem Jahrtausend-Seebeben - wohl auch infolge der Erdrotation - unter die euro-asiatische Erdplatte des Festlandes um den noch eisbedeckten Himalaja.

Allerdings sollte man in Zukunft die Folgen, die eine Erhöhung des Meeresspiegels durch den Treibhauseffekt - insbesondere durch einen erhöhten Druck auf die Erdplatten - hat, immer bei globalen Untersuchungen einbeziehen.

Bedenken muß man auch, dass sich mit dem Treibhauseffekt nicht nur die Luftmasse der Erde erwärmt, sondern auch ihre riesigen Wassermassen.

Die weitere Erwärmung der Ozeane könnte nicht nur eine gewisse Änderung des Gewichts der Wassermassen bedeuten, indem sie allgemein geringer wird, sondern es könnten sich durch die Erwärmung auch die globalen Strömungen der Erde ändern.

In diese Richtung geht auch die Theorie , dass die durch den Treibhauseffekt abschmelzenden Eisgebiete der Erde riesigen Kaltwasserströmungen verursachen, die vorrangig die bestehenden globalen Warmwasserströmungen der Ozeane abblocken und deren Richtung ändern.

Beispiel: Golfstrom.

Eine derartige Richtungs- und Geschwindigskeitsänderung der Weltwasserströmungen wirkt sich auf jeden Fall auf die Tektonik, auf die Bruchzonen der Erdkruste aus. Damit würde eine weitere Andauern des durch den Menschen verursachten Treibhauseffektes vor allem über die Änderungen der globalen Wasserströmungen der Erde zur Folge haben, dass es in Zukunft häufiger zu Seebeben und somit zu Tsunamis kommt.

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Der Treibhauseffekt

(Dr. Tiesel, November 2004)

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Die wichtigsten Treibhausgase unserer Erde sind Wasserdampf, Kohlendioxid, Methan, Distickstoffoxid, Bodenozon und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW).

Diese Gase sind dafür verantwortlich, dass auf der Erde eine Mitteltemperatur von rund plus 15 Grad herrscht. Diese Tatsache bezeichnet man als den natürlichen Treibhauseffekt unseres Planeten, im Gegensatz zu der immer weiteren Zunahme des Einflusses der Menschheit auf die Atmosphäre, den man als anthropogenen Treibhauseffekt bezeichnet.

Aber ohne die natürlichen Treibhausgase und damit den natürlichen Treibhauseffekt würde es auf der Erde kein Leben geben.

Der Wasserdampf, der als wichtigstes Treibhausgas etwas über 60 Prozent des Treibhauseffektes bewirkt, gelangt durch die ständige und vor allem kräftige Wasserverdunstung - vorrangig in den tropischen und subtropischen Ozeangebieten - in die Atmosphäre. Insbesondere im Bereich der ITC, der längs des Äquators verlaufenden Innertropischen Konvergenzzone, steigen immense Wassermassen in die Höhe. Die zum Teil über 20 km hohen Wolken dieses erdumspannenden äquatorialen Tiefdruckgürtels sind nicht nur eine optisches Zeichen des extrem hohen Eintrags von Wasserdampf in die Troposphäre.

Das Kohlendioxid ist mit rund 20 Prozent das zweitwichtigste und problematischste Treibhausgas. Seine Existenz in der Atmosphäre ist deshalb sehr wichtig, weil der Kohlendioxidgehalt stark die Strahlungsverhältnisse beeinflusst und damit auch einen entscheidenden Anteil am Treibhauseffekt besitzt. Kohlendioxid kommt aber in der Natur nicht nur in der Lufthülle vor. So existiert es auf dem Land in Form lebender Biomasse - wie zum Beispiel von Wiesen und Wälder - aber auch in Form der toten Biomasse, wie zum Beispiel Humus oder Moore. Auch in den Ozeanen ist es in der lebenden und toten Biomasse vorhanden , vorrangig aber im Meerwasser gelöst. Wichtig ist auch das Vorkommen von Kohlendioxid in den Sedimenten, vor allem als Karbonate von Kalium und Magnesium. Aber besonders wichtig ist seine Gehalt als organischer Kohlenstoff in den von uns Menschen so stark verwendeten Kohle, Erdgas und Erdöl. Bei der erdgeschichtlichen Bildung von Kohle, Erdgas und Erdöl wurde das wichtige Treibhausgas Kohlendioxid gebunden. Vor dieser Bildung war mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre und entsprechend war es auf der Erde durch einen verstärkten Treibhauseffekt auch wärmer.

Diese Treibhauserwärmung unseres Planeten erleben wir auch heute. Denn die explosionsartig wachsende Menschheit baut die fossilen Brennstoffe Kohle, Erdgas und Erdöl global und sehr schnell ab. Und überwiegend durch die Verbrennungsprozesse - besonders in Industrie, Haushalt und Verkehr - wird Kohlendioxid in hohem Maße freigesetzt und an die Luft abgeben. Die Anreicherung unserer Lufthülle mit Kohlendioxid, vorwiegend durch die großen Industriestaaten, verstärkt aber den Treibhauseffekt und damit die globale Erwärmung. Die augenblickliche Erwärmung würde sich auf unserer Erde noch schneller vollziehen, wenn nicht die riesigen Ozeane etwa die Hälfte des freigesetzten Kohlendioxids aufnehmen würden.

Durch die Einwirkungen des Menschheit wird das Kohlendioxid heute zum stärksten anthropogen beeinflussten Treibhausgas und macht rund 50 Prozent aus. Zu den anderen anthropogenen Treibhausgasen, mit der wir Menschen unser Klima allgemein negativ beeinflussen, zählt heute das bodennahen Ozon und das Faulgas Methan der Sümpfe, Moore und gewaltigen menschlichen Nasskulturen. Zu diesen Gasen gehören über chemische Vorgänge auch Distickstoffoxid, das besonders bei der Stickstoffdüngung in die Luft gelangt und die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die vor allem durch Spraydosen, Kühlmittel und Dämmstoffe in die Atmosphäre gelangt sind. Dort verharren sie nicht nur sehr lange, sondern beginnen auch die Höhenozonschicht zu zerstören, die uns vor der harten, kurzwelligen UV-Strahlung schützt.

So ergibt sich der seltsame Tatbestand, dass die ganze Menschheit, Tier- und Pflanzenwelt auf dieser Erde nur existiert, weil erst der natürliche Treibhauseffekt - der selbst auch durch giftige Gase verursacht wird - die Wärme erzeugt, die ein Leben auf dem Planeten Erde möglich macht.

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Durch Treibhauseffekt :

an der deutschen Ostseeküste

zukünftig Mittelmeerwetter und Palmen ?

(Dr. Tiesel, August 2004)

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Seit 1992 erleben wir an unserer Ostseeküste extrem warme Sommer, fast Mittelmeersommer.

Es fehlen nur noch die Palmen und andere südländische Exoten und schon haben wir das Mittelmeerflair bei uns.

Normal ist das alles nicht mehr, aber die meisten von uns haben bestimmt nichts gegen einen richtig warmen Sommer - auch wenn sich die Wärme in der ersten Hälfte des diesjährigen Sommer etwas schwer getan hat.

Aber auch er ist nach den Wärmesummen (Rostock) bereits etwas wärmer, als das über 100-Jährige Mittel.

Seit dem Auftreten der sieben extrem warmen Sommer in den letzten 12 Jahren habe ich in vielen Beiträgen und Vorträgen für Palmen im Sommer an unserem Ostseestrand geworben. Verständlicherweise bekommt man für so einen so wilden und nicht gerade plattdeutschen Gedanken kaum Beifall, auch wenn man alles vom Klima her recht gut begründen kann.

Von den 10 heißesten Sommern seit 1891 traten in Norddeutschland allen 7 in den letzten Jahren seit 1992 auf.

Und damit nicht genug : in der Reihenfolge 1997, 2002, 2003, 1992, 1995, 1994 und 1999 waren es an der Ostseeküste die heißesten Sommer überhaupt der letzten 113 Jahre !

Erst danach folgen der berüchtigten Nachkriegs-Trockensommer 1947, wo - nach dem extremen Eiswinter 1946/1947 - noch viele Menschen starben , und der Katastrophensommer 1975, wo auch in Nordostdeutschland Felder und Wälder brannten.

Dass die extrem heißen Sommer der jüngsten Vergangenheit auf den Treibhauseffekt der Erde, auf ihre globale Erwärmung zurückzuführen sind, wird heute von Fachexperten nicht mehr bezweifelt.

Für die Ostseeregion bedeuten diese Sommer mit anhaltender subtropischer Hitze, dass sie immer mehr den Charakter südeuropäischer Sommer und damit auch des Mittelmeeres annehmen. Nur gut, dass unsere Ostsee selbst in der Gluthitze noch Kühle spendet, weil sie sich nicht so rasch und stark erwärmt wie das Mittelmeer.

Nach der tollen Palmenflut und ihrem unkomplizierten Überleben auf der Rostocker Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 2003 ist das Aufstellen von Palmen und der Anbau anderer südeuropäischer Exoten mittlerweile ein biologisches Vorgehen, das gar nicht mehr so weltfremd ist.

An der Warnemünder Promenade hat man endlich zögerlich damit begonnen, die erste Palmen aufzustellen.

Und weshalb nicht großräumig in unseren Seebädern an der gesamten deutschen Ostseeküste ?

Botaniker, Gärtnerbetriebe und viele andere würde man bestimmt für das südländische Projekt begeistern.

Und sollte uns doch ein harter Winter heimsuchen - was statistisch in den kommenden beiden Wintern sogar recht groß ist - dann kann man den Palmen mit ihren mobilen Palmenfuß auch rasch einen Winterschutz geben. Die IGA hat gezeigt, wie man das macht.

Aber unsere Botaniker kennen auch frostresistende Palmensorten...

Auch wenn wir einmal im Sommer längere Zeit - wie in diesem Jahr - unsere typisch feucht-kühle monsunartige Witterung mitten im Hochsommer abwettern müssen, dann bringen uns unter Umständen diese Ostseepalmen ein Hauch südländischer Wärme.

Und dann gibt es bestimmt auch einige heimatliche Südeuropaurlauber, die nur wegen der Ostseepalmen - vielleicht auch wegen ihres angenehmen Schattens und Rauschens - an ihrer Ostsee bleiben.

Aber auch nicht wenige Touristen, die nur wegen der Palmen an unserer schönen Ostseeküste anlanden.

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Treibhauseffekt

verursacht auch in Deutschland

immer extremeres Wetter

(Dr. Tiesel , 10. Nov. 2002)

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Der Treibhauseffekt bewirkt mit seiner globalen Erwärmung der Erdatmosphäre auch den Beginn der Verlagerung von Klimazonen. Davon ist auch Mitteleuropa und damit Deutschland betroffen.

Für diese europäischen Region zeichnet sich besonders im Sommer eine nördlichere Verlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels und vor allem im Winter eine weniger markante Südverlagerung des Höhenwestwindjets ab, der allgemein unser Wetter bestimmt. .

Für die Bewegung des Azorenhochs und seines südeuropäischen Keils immer weiter nach Mitteleuropa sprechen auch die in ganz Deutschland beobachteten markanten Temperaturzunahmen, der stetige Anstieg des Luftdrucks, häufigere subtropische Niederschläge und eine höhere Zahl von Orkanen und Sturmfluten.

Eine besonders starke Zunahme der Lufttemperatur in Deutschland zeichnet sich in den letzten 15 Jahren - nach den drei starken Wintern 1984/5 bis 1986/7 - ab. Sowohl im südlichen Bergland als auch an der flachen Nord- und Ostseeküste kann man diese anormale Erwärmung deutlich beobachten. So stieg zum Beispiel auf dem bayrischen Hohenpeißenberg, in etwa 1000 m Höhe, die Mitteltemperatur seit dem Krieg um fast 0.2 Grad an. Und die Jahresmitteltemperatur in Hamburg erhöhte sich seit 1900 um 0.4 Grad und in Rostock in den nur letzten 15 Jahren um 0.3 Grad. Noch deutlicher schlägt sich die Treibhauserwärmung bei den Sommern nieder. So traten allein in den letzten 10 Jahren in Norddeutschland die 5 heißesten Sommer der letzten wenigstens 110 Jahre auf. Sehr heiße Sommer hatten wir (nach der Berliner Temperaturreihe seit 1700) auch vor etwa 200 Jahren, allerdings nicht in der Häufigkeit und Kompaktheit wie heute.

Welche Folgen hat nun diese Erwärmung auf Wetter, Witterung und Klima in Deutschland ?

Insgesamt kann man sagen, daß sich aufgrund des enormen Wärmepotentials, der bei uns immer häufiger einfließenden feuchten und vertikal mächtigen südeuropäischen Warmluft, die atmosphärischen Prozesse in Deutschland verschärft haben. In dieser energiereichen südeuropäischen Luftmasse bilden sich neuerdings in unseren mitteleuropäischen Regionen wiederholt subtropische Gewitter mit kräftigen Sturmböen und wolkenbruchartigen Regenfällen aus. Das katastrophale Elbehochwasser in diesem Jahr, das auch fast Hamburg erfaßt hätte, ist ein Beleg dafür.

Aber auch fast die Hälfte aller Niederschlagskatastrophen in Norddeutschland seit dem Krieg mit über 40 Liter/Quadratmeter an einem Tag ereigneten sich im letzten Jahrzehnt.

Positiv wirkt sich der Treibhauseffekt auf Eiswinter und Seenebeleinbrüche aus. So bildete sich in den letzten 15 Jahren nur ein schwerer Winter (1995/96) und die Winterintensität hat seit den berüchtigten Kriegswintern nachgelassen. Die umfassende Erwärmung auch von Nord- und Ostsee hat zur Folge, daß die Anzahl der gefährlichen Seenebeleinbrüche insbesondere im Winter und Frühjahr nachgelassen hat.

Das Ausbleiben der recht windarmen und nebelträchtigen Eiswinter und gleichzeitig die Verstärkung der Westwinde in den Wintermonaten bewirken bei uns eine Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit. Und das, obwohl der relativ windschwache Azorenhochkeil im Sommer immer mehr Einfluß nimmt.

Durch den jetzt häufigeren Zusammenprall thermisch immer unterschiedlicherer Luftmassen entstehen stärkere Wetterprozesse und damit ändert sich auch das Profil der Windböen. Während seit 30 Jahren die Tage mit Starkwind und Sturm nachgelassen haben, hat sich im Zeitraum der starken Erwärmung der letzte 15 Jahre die Zahl der Tage mit orkanartigen Böen und Orkan erhöht. Das markanteste Beispiel dafür ist der Orkan 'Lothar', der auf dem Feldberg Böen bis Windstärke 17 Beaufort und allein im Schwarzwald Millionenschäden verursachte. Aber auch im Ostseeraum kann man seit dem Krieg eine Zunahme der Anzahl und Stärke der Orkane beobachten. So ereigneten sich von den 15 schweren Ostseeorkanen mit Böen ab 125 km/h fast die Hälfte in den letzten 12 Jahren.

Gekoppelt an die Häufung der schweren Stürme und Orkane haben auch die Sturmfluten zugenommen. Nicht nur ihre Anzahl ist gestiegen, sondern - wie bei den Orkanen - auch ihre Intensität. So ereigneten sich von den 10 stärksten Ostsee-Sturmfluten der letzten 70 Jahre (130-170 cm über Normalnull) allein 4 seit 1987 - also auch im Zeitraum der stärksten Erwärmung.

Abschließend kann man feststellen, daß die schweren Unwetterprozesse, die besonders in den letzten rund 15 Jahren mit einer großen Häufigkeit unser Bundesland heimgesucht haben, überwiegend auf den Treibhauseffekt zurückzuführen sind. Und weil die globale Erderwärmung weiter zunimmt, müssen wir in Zukunft auch in Mitteleuropa und damit in Deutschland noch häufiger mit schweren Wetterkatastrophen rechnen.

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Zur Klimaänderung in Mecklenburg-Vorpommern

(Dr. Reiner Tiesel, Februar 2001)

 

Das vergangene Jahr 2000 brachte fast ganz Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Wärme- und Klimarekord und damit eine markante Fortsetzung der bestehenden 'Warmzeit'.

Selbst die altehrwürdige Schweriner Wetterstation, die seit 1851 existiert, meldete mit einer Jahresmitteltemperatur von 10.0 Grad einen neuen Rekord. Damit wurde 1934 und 1999 mit 9.9 Grad , 1990 mit 9.8 sowie 1989 und 1992 mit 9.7 Grad noch übertroffen. Diese Daten bestätigt auch im Hinter- und Binnenland unserer Heimat die sehr starke Erwärmung , die man auf den Treibhauseffekt zurückführt, denn 5 von den 6 wärmsten Jahren der vergangenen 150 Jahre traten in den letzten nur 11 Jahren auf.

(((Am kältesten wurden immer die die Jahre, die mit extrem kalten Wintermonaten begannen. Das waren es in Warnemünde nach dem Krieg die Jahre 1956 (Feb. -6.3 Grad), 1963 (Jan. -5.0 und Feb. -4.9 Grad) und 1987 (Jan. -4.9 Grad). Das kälteste Jahr 1956 mit einer Mitteltemperatur von nur 7.3 Grad war damit um fast 3 Grad kälter als 2000 mit 10.2 Grad; im Klartext war damit jeder Tag im vergangenen Jahr 2000 um rund 3 Grad wärmer als 1956.)))

Nach der abnormalen Anhäufung extrem warmer Jahre in den letzten 12 Jahren muß man auch als realistischer Klimatologe feststellen, daß diese Erwärmung in unserer Region keine normale Klimaschwankung mehr ist, sondern sich immer mehr in Richtung einer Klimaänderung bewegt.

Im letzten Jahrhundert gab es bei den Wintern einmal eine ähnliche klimatische Situation, als man bei der Anhäufung der 4 schweren Kriegswinter 1939/40, 1940/41 , 1941/42 und 1946/47 auch den Beginn einer 'Kaltzeit' oder kleinen eiszeitartigen Periode, ähnlich der sogenannten kleinen Eiszeit um 1820, vermutete.

Aber unsere Mutter Natur hat damals die Kaltzeit wieder ins Lot gerückt. Wohl auch, weil sie noch in der Lage war, die eingebrachten Riesenmengen von Fremdstoffe des 2. Weltkrieges wieder aus der Troposphäre auszufildern. Und damit wurden auch die Winter wieder milder und normal, denn der nächste schwere Winter kam erst - im Rhythmus auch der Sonnenfleckenzyklen - nach rund 10 Jahren, also 1955/56.

 

Heute aber schafft es die Natur offensichtlich nicht mehr, die von uns Menschen in die Atmosphäre eingeführten globalen Gase und Substanzen und die durch sie verursachten Änderungen unserer Lufthülle (Ozonloch etc.) selbst zu regulieren.

Denn wird hatten in der heutigen kritischen Warmzeit sogar noch Glück, daß in dem Zeitraum der letzten 12 Jahre mit dieser explosionsartigen Erwärmung wenigstens noch der Winter 1995/96, der 7. kälteste seit 1890, auftrat. Dieser kräftige Winter, den wir alle meist schon wieder vergessen haben, obwohl damals die Ostsee zu über 50 % zugefroren war, dämpfte mit seiner schweren winterlichen Kälte eine weitere globale Erwärmung Europas und damit auch Mecklenburg-Vorpommerns.

Für eine Art Klimaänderung spricht vor allem auch der markante Anstieg der langjährigen Jahresmitteltemperatur in den letzten 10 bis 15 Jahre.

Die langjährige Mitteltemperatur von Warnemünde bewegte sich zum Beispiel seit dem Krieg bis 1985 also rund 40 Jahre immer um 8.35 Grad. Nach den kalten Wintern 1984/85 , 1985/86 und besonders dem Katastrophen-Winter 1986/1987 war sie sogar auf 8.31 Grad zurückgegangen. Und seit 1988 ist sie explosionsartig auf 8.58 Grad hochgeklettert.

Dieser Anstieg in 13 Jahren um rund 0.3 Grad mag sehr wenig erscheinen, ist aber für eine langjährige Jahresmitteltemperatur ein Ausnahmezustand und für die Klimatologen mehr als nur ein Alarmzeichen. Bedeutet dieser anormale Anstieg doch immer mehr das Hinüberwandern in eine fast neue wärmere Witterungszone mit weniger oder kaum noch schweren Wintern und weiterhin heißen bis sehr heißen Sommern - also immer mehr den Übergang zum Charakter der subtropischen Witterung.

 

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Infolge des Treibhauseffektes

war 2000

das heißeste Jahr des Jahrhunderts

- auch in Mecklenburg-V.

(Dr. Tiesel , 2. Januar 20001)

 

Das letzte Jahr brachte auch Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Wärme- und damit Klimarekord. Hauptgrund dafür ist der Treibhauseffekt.

Nach den Daten der bekannten Haupt-Wetterstation an der Warnemünder Promenade betrug die Jahresmitteltemperatur im vergangene Jahr 2000 10.2 Grad und war damit noch etwas höher als 1990 mit 10.1 Grad.

Bis auf den Monat Juli, er war um 1.4 Grad zu kalt, waren alle anderen Monate meist erheblich zu warm, im Mittel um 1.9 Grad.

Derartige extrem warme Jahre treten nur dann auf, wenn der Winter prinzipiell ausfällt und auch die Frühjahrs- und Herbstmonate merklich zu warm werden. Genau das war 2000 der Fall, denn der wahre Wintermonat Februar war um 4.0 Grad und die Monate Januar, November und Dezember über 2.0 Grad zu warm.

 

Hinzu kommt noch , daß wir seit 1946 noch nie einen so heißen April hatten und der Mai, wie auch Oktober und November, die zweitwärmsten seit dem Krieg waren.

Nach diesen extrem positiven Temperaturabweichungen kann man als Klimatologe nur feststellen, daß wir im letzten Jahr - so seltsam es auch klingen mag - der Natur danken sollten, daß uns der Juli mit seinen anhaltenden monsunartigen und kühlen Westwetterlagen (Siebenschläfer) heimsuchte und uns mit einer Mitteltemperatur von nur 15.9 Grad den 5. kältesten Juli der letzten 53 Jahre bescherte.

 

Wäre der Monsun Nordatlantik-Europa im Juli ausgeblieben (wie 1994 - wo der Juli mit 20.7 Grad rund 5 Grad wärmer war), dann wäre es bei dem dann fast subtropischen Temperaturgeschehen auch in Mecklenburg-V. zu schweren Katastrophen durch Trockenheit , Brände etc. gekommen.

Tiefgründiger gemeint als gesagt, sollte man unserem berühmten ' Ostseeschiet-wochenwetter ' im Juli des vergangenen Jahres noch nachträglich danken.

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Nachfolgendes Klimastatement über die globale Erwärmung der Erde

habe ich vom Präs. des Dt. Wetterdienstes , Prof. Dr. Whery , persönlich erhalten

- mit dem Wunsch der Weitergabe.

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Klimastatement

der

Deutschen Meteorologischen Gesellschaft

Datum: Sun, 25 Mar 2001 12:44:40 +0200

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Debatte um Klimaaenderungen ist in diesem Jahr durch die Veroeffentlichung der IPCC-Berichte

wieder auf einen der vorderen Plaetze in der oeffentlichen Aufmerksamkeit gerueckt.

Deshalb hat die DMG eine Stellungnahme zu Klimaaenderungen initiiert, die unter Federfuehrung von

Herrn Prof. Schoenwiese gemeinsam mit den Kollegen Claussen, Cubasch, Fischer, Grassl, und Rahmstorf

verfasst wurde.

Am 26. Maerz 2001 wird um 14:00 im Geomatikum, Raum 1729, Bundesstrasse 55, 20146 Hamburg

eine Pressekonferenz stattfinden, in der ich als Vorsitzender der DMG gemeinsam mit den Herren Gaertner,

Grassl, Schoenwiese und Suendermann die Stellungnahme bekannt machen werde.

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Im Anhang finden Sie die ausfuehrliche Fassung, die auch auf dem Web zu finden sein wird:

http://www.met.fu-berlin.de/dmg/dmg_home/stellungnahme_cc2001.html

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Meine Bitte als DMG-Vorsitzender an Sie ist, nach dem Schneeballprinzip diese Stellungnahme anderen zukommen zu lassen, sie in Ihrer Umgebung auszuhaengen oder andere Mitteilungswege zu finden.

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Mit freundliche Gruessen

Ihr

Werner Wehry, Vorsitzender der DMG

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c/o Inst.f.Meteorologie, FU Berlin,

C.-H.-Becker-Weg 6-10, 12165 Berlin

Tel.: +49 30 838 711 97, Fax: +49 30 791 90 02

e-mail: wehry@met.fu-berlin.de

URL-DMG: http://www.dmg-ev.de

Tel. DMG: +49 30 7970 8324

URL-EMS: http://www.emetsoc.org

http://www.met.fu-berlin.de/~wehry

http://www.met.fu-berlin.de/wetter/wetterkarte

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Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V. (DMG)



Stellungnahme zu Klimaänderungen



CS .-D. Schönwiese unter Mitwirkung von M. Claussen, U. Cubasch, H. Fischer, H. Graßl,

S. Rahmstorf u.a. (DMG-Vorstand: W. Wehry, U. Gärtner, J. Sündermann) - herausgegeben zum 26. März 2001



[Kurzfassung]



In Übereinstimmung mit den Verlautbarungen internationaler Gremien und auf der Grundlage der in Deutschland erarbeiteten umfangreichen Ergebnisse der Klimaforschung weist die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) darauf hin, dass die beobachteten weltweiten Klimaänderungen andauern. Vielfach haben sie sich in den letzten beiden Jahrzehnten sogar verstärkt. Dabei war im globalen Mittel 1998 nicht nur das wärmste Jahr seit dem Beginn der systematischen weltweiten Messungen (1856), sondern aufgrund indirekter Rekonstruktionen nordhemisphärisch sogar mindestens der letzten 1000 Jahre. Im 20. Jahrhundert ist der Temperaturanstieg in Deutschland mit 0,9 C gegenüber global gemittelt etwa 0,6 C überdurchschnittlich groß und das Jahr 2000 das wärmste seit 1761 gewesen. Beim Niederschlag sind innerhalb Europas eine Zunahme in Skandinavien und eine Abnahme im Mittelmeergebiet am signifikantesten. In Deutschland steht einem deutlichen Anstieg der Winterniederschläge eine leichte Abnahme der Sommerniederschläge gegenüber. Im einzelnen sind die Klimaänderungen aber sehr vielfältig, weil sich nicht nur Langfristtrends, Fluktuationen und relativ kurzfristige Anomalien sowie Extremereignisse überlagern, sondern auch ausgeprägte regional-jahreszeitliche Besonderheiten auftreten.

Um diese Strukturen der Klimaänderungen auch in Zukunft adäquat verfolgen und im Kontext mit der Klimageschichte sinnvoll interpretieren zu können, hält es die DMG für dringend notwendig, die Informationsbasis kontinuierlich zu verbessern, zum einen durch die Fortführung und möglichst noch den Ausbau derzeitiger Beobachtungssysteme, zum anderen durch die möglichst vollständige und genaue Erfassung der Klimadaten der Vergangenheit sowie verstärkte Anstrengungen bei der Analyse dieser Daten. Einsparungen bei der im Vergleich zu vielen Projekten der Hochtechnologie kostengünstigen Erhebung von Klimadaten, insbesondere was die Fortführung und Auswertung langjähriger Beobachtungsreihen betrifft, sind daher nicht nur wissenschaftlich schädlich, sondern setzen auch falsche Akzente.

Auch wenn die Ursachen der beobachten Klimaänderungen kompliziert sind und die Rolle der natürlichen Klimaänderungen noch keinesfalls ausreichend geklärt ist, geht die globale Erwärmung der letzten 100 - 150 Jahre mit hoher Wahrscheinlichkeit auf menschliche Aktivitäten zurück, insbesondere auf den ständig gestiegenen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen klimawirksamen Spurengasen in Zusammenhang mit der Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas, einschließlich Verkehr) und Waldrodungen. Falls die Emission dieser Gase weiterhin ähnlich stark ansteigt wie bisher, wird für die kommenden 100 Jahre im globalen Mittel ein Temperaturanstieg von 1,4 - 5,8 C befürchtet. Die große Bandbreite dieser Abschätzungen erklärt sich überwiegend aus den Unsicherheiten der Zukunftsszenarien menschlicher Aktivitäten, aber auch den noch immer bestehenden Schwächen der Klimamodellierung. Daher müssen unter anderem die Effekte von Wolken und atmosphärischen Partikeln in der Atmosphäre, das ozeanische Strömungssystem sowie die Rolle der Ökosysteme im Klimageschehen noch wesentlich besser verstanden werden. Weiterhin muss es gelingen, zu verlässlicheren Aussagen hoher regionaler Auflösung zu kommen und das zeitliche Schwankungsverhalten, einschließlich dem Auftreten von Extremereignissen, realistischer wiederzugeben.

Es gibt somit noch viele offene Fragen der Klimadiagnostik, Klimamodellierung und nicht zuletzt der ökologisch-sozioökonomischen Auswirkungen von Klimaänderungen. Dies erfordert verstärkte Anstrengungen in der gesamten Bandbreite der Klimaforschung, wobei bei aller Notwendigkeit anwendungsbezogener Forschung die Grundlagenforschung nicht vernachlässigt werden darf. Andererseits reichen die derzeitigen Kenntnisse zweifellos aus, um international abgestimmte, effektive und baldige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit sind dazu aufgefordert, sich mit allem Nachdruck dafür einzusetzen. Dies betrifft auch und insbesondere die Konkretisierung der UN-Klimarahmenkonvention (Rio de Janeiro, 1992) und die Umsetzung des Kyoto-Protokolls (3. Vertragsstaatenkonferenz, 1997). Der Misserfolg von Den Haag (Nov. 2000) muss überwunden werden, wenn diese 6. Vertragsstaatenkonferenz im Juli 2001 in Bonn fortgesetzt wird.





[Ausführliche Stellungnahme]



Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V. (DMG) sieht in der Sachinformation der Öffentlichkeit zu grundlegenden Fragen und aktuellen Problemen der Wissenschaft der Atmosphäre eine ihrer vordringlichen Aufgaben. Dies betrifft auch die Problematik der Klimaänderungen, die in der Öffentlichkeit zunehmend kontrovers und nicht immer sachkundig diskutiert wird. In Übereinstimmung mit wissenschaftlichen Gremien, insbesondere den zentralen Aussagen des UN Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), an denen einige ihrer Mitglieder mitgewirkt haben, und auf der Grundlage der umfangreichen Ergebnisse der in Deutschland betriebenen Klimaforschung nimmt sie hier erneut Stellung und leistet so einen Beitrag zur Klärung dieser Problematik.

Zunächst zu den Beobachtungen und somit Fakten: Auch im Jahr 2000 lag der globale Mittelwert der bodennahen Lufttemperatur mit einer Abweichung von +0,3 C gegenüber dem Mittelwert 1961-1990 ähnlich hoch wie 1999. Er erreichte aber nicht den bisherigen Rekordwert des Jahres 1998 (+0,5 C), das offenbar nicht nur das wärmste Jahr seit 1856, dem Beginn der systematischen weltweiten Messungen, sondern aufgrund vieler indirekter Indizien nordhemisphärisch mindestens der letzten 1000 Jahre gewesen ist. Dabei haben sich im Jahr 1998 der Langfristtrend globaler Erwärmung, der im 20. Jahrhundert 0,6 +/- 0,2 C betragen hat, und das starke El Niño - Ereignis 1997/98 überlagert. Im Rahmen dieses Langfristtrends ordnet sich das Jahr 2000 in die zehn wärmsten Jahre (seit 1856) ein, die alle ab 1983 aufgetreten sind.

Je nach Region und Jahreszeit sind die Temperaturtrends jedoch sehr unterschiedlich. Die Erwärmung der letzten 100 Jahre war in den kontinentalen Bereichen der mittleren und hohen geographischen Breiten der Nordhalbkugel der Erde am stärksten, und dies vor allem im Winter. Kleinere Regionen haben sich dagegen abgekühlt, beispielsweise ein kleiner Teil des Nordatlantiks bei Grönland sowie ebenfalls kleinere Teilbereiche der südhemisphärischen Ozeane und der Antarktis. In Deutschland hat sich die bodennahe Lufttemperatur in den letzten 100 sogar stärker erhöht als im globalen Mittel, nämlich um 0,9 C, wobei in diesem Fall das Jahr 2000 das bisher wärmste gewesen ist: 9,9 C, das heißt 1,6 C über dem Mittelwert 1961-1990. In den letzten 30 Jahren sind dabei vor allem die Winter wärmer geworden, und zwar im Mittel um mehr als 1,5 C; aber auch im Frühling und Sommer ist diese Erwärmung mit rund einem halben Grad recht deutlich.

Der Niederschlag hat im weltweiten Mittel ebenfalls zugenommen, jedoch zeigen sich bei diesem Klimaelement noch viel ausgeprägtere jahreszeitliche und regionale Besonderheiten als bei der Temperatur. Mit Blick auf Europa sind vor allem ein drastischer Niederschlagsrückgang im östlichen Mittelmeerraum, in den letzten30 Jahren um bis zu ca. 50%, und eine Zunahme in Südskandinavien hochsignifikant. In Deutschland findet man die stärksten Effekte wiederum im Winter, wo eine kräftige Zunahme um etwa ein Viertel zu verzeichnen ist, im Sommer dagegen eine leichte Abnahme. Diese winterliche Niederschlagszunahme, die besonders im Westen und Süden Deutschlands ausgeprägt ist, trägt sicherlich zum häufigeren Hochwasser bei. Dabei ist besonders bedeutend, dass dies - und nicht nur in Deutschland - häufig mit einer Zunahme extremer Niederschlagsereignisse verbunden ist. Die milder und niederschlagsreicher werdenden Winter Mitteleuropas stehen sicherlich in Zusammenhang mit einer sehr markanten Umstellung der atmosphärischen Zirkulation. Dies äußert sich in einer größeren Häufigkeit und Andauer von Wetterlagen mit vorherrschend westlicher Luftströmung.

Weltweit ist die Versicherungswirtschaft über die Zunahme der volkswirtschaftlichen Schäden durch Naturkatastrophen, wie unter anderem Stürme und Überschwemmungen, beunruhigt. Nach Erhebungen der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft sind diese Schäden im Jahrzehnt 1990-1999 gegenüber 1960-1969 inflationsbereinigt um den Faktor 8,6 auf rund 1200 Mrd. DM angestiegen, wobei aber sicherlich auch Effekte wie zunehmende Besiedlung und Bebauung gefährdeter Gebiete zur Schadensexplosion wesentlich beigetragen haben. Zudem ist es fraglich, ob die Sturmhäufigkeit langfristig wirklich zugenommen hat; denn tropisch wie außertropisch scheinen bisher eher Fluktuationen überwogen zu haben, so dass systematische und signifikante Trends im 20. Jahrhundert kaum erkennbar sind. Dies zeigt, dass gerade die Problematik der Extremereignisse, hinsichtlich der zeitlichen und regional-jahreszeitlichen Struktur ihres Auftretens, neben der Erfassung von Trends und Fluktuationen noch besonderer Forschungsanstrengungen bedarf. Dies gilt im übrigen nicht nur für Stürme, Orkane und Tornados, sondern auch für Hitzewellen, extreme Kälte, Starkniederschläge, Hagel, Dürren usw.

Trotzdem kann es über die Klimaänderungen des vergangenen Jahrhunderts als Beobachtungstatsache keinen Zweifel geben. Wahrscheinlich handelt es sich dabei in der globalen und quantitativen Ausprägung um einen nicht nur für die letzten 1000, sondern vielleicht sogar 10 000 Jahre (nach Ende der letzten Eiszeit) einmaligen Vorgang, auch weil die vor ca. 1000 Jahren aufgetretene relativ warme Klimaepoche ("Mittelalterliches Klimaoptimum"), der in mehreren Wellen bis zum Ende des letzten Jahrhunderts die "Kleine Eiszeit" folgte, eher ein regionales Phänomen gewesen zu sein scheint. Bei der Bewertung der derzeitigen Klimaänderungen ist im übrigen zu berücksichtigen, dass die global und jeweils über einige Jahrzehnte gemittelte bodennahe Lufttemperatur in den letzten 10 000 Jahren eine Schwankungsbreite von ca. +/- 1 C nie überschritten hat. Der davor eingetretene Eiszeit-Warmzeit-Übergang lässt sich durch einen entsprechenden Temperaturunterschied von ca. 4 - 6 C kennzeichnen, der im übrigen von abrupten Klimaänderungen überlagert war, während das Klima der Nacheiszeit, d.h. der letzten rund 10 000 Jahre, bisher offenbar bemerkenswert stabil gewesen ist.

Ursachen der beobachteten Klimaänderungen können Natur und Mensch sein. In der zeitlichen Größenordnung von Jahren bis Jahrhunderten sind dabei, als natürliche Mechanismen, der explosive Vulkanismus, Änderungen der solaren Strahlungsflussdichte (u.a. durch Sonnenaktivität) sowie interne Wechselwirkungen im Klimasystem zu beachten, insbesondere zwischen Atmosphäre und Ozean, die beispielsweise zu Phänomenen wie El-Niño-Ereignissen und der Nordatlantischen Oszillation führen. Dagegen beruht der atmosphärische Konzentrationsanstieg des Kohlendioxids (CO2) von rund 280 ppmv (= 0,028 Volumenprozent) um das Jahr 1800 auf ca. 370 ppmv im Jahr 2000, dem höchsten Wert mindestens der letzten 400 000 Jahre, wahrscheinlich sogar 20 Jahrmillionen, auf anthropogenen Emissionen. Sie betragen derzeit jährlich rund 30 Mrd. Tonnen. Davon gehen 75-80% auf die Nutzung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl und Erdgas, einschließlich Verkehr) zurück, ca. 15% auf Waldrodungen und ca. 5% auf die Brennholznutzung in den Entwicklungsländern.

Dass ein solches Experiment des Menschen mit der Atmosphäre das Klima ändern muss, ist ebenfalls eine Tatsache (vgl. dazu "Stellungnahme der DMG zu dem Grundlagen des Treibhauseffektes", Juni 1999). Die dadurch bewirkte energetische Störung der Troposphäre (unteres atmosphärisches Stockwerk bis ca. 10 Kilometer Höhe) in Form des sog. Strahlungsantriebes durch alle sich akkumulierenden langlebigen Treibhausgase wie CO2, CH4 (Methan), N2O (Lachgas) usw. beträgt seit 1750 ungefähr 2,5 Watt pro Quadratmeter (Wm-2). Dagegen bringt es beispielsweise die Änderung des solaren Strahlungsflusses (durch Sonnenaktivität u.a.) fluktuativ nur auf etwa 0,3 Wm-2. Allerdings sind dies nur die direkten Antriebe, die von den Rückkopplungen im Klimasystem modifiziert werden. Auch wenn es noch immer größere Probleme und somit Unsicherheiten bei der Berücksichtigung der Wolken- und Aerosoleffekte gibt, einschließlich der Frage, in welcher Richtung die verschiedenenAerosoltypen das Klima beeinflussen, wird dies doch weitgehend in sehr aufwendigen Klimamodellrechnungen berücksichtigt.

Diese Modelle kommen derzeit zu dem Ergebnis, dass der Mensch über den anthropogenen Zusatz-Treibhauseffekt die global gemittelte bodennahe Lufttemperatur seit ca. 1860 bereits um rund 1 C erhöht hat, abzüglich dem im globalen Mittel kühlenden Effekt durch die ebenfalls anthropogenen zusätzlichen Sulfataerosole (Sulfatpartikel, die aus der Schwefeldioxid (SO2) - Emission in die Atmosphäre stammen) sind es etwa 0,6 C, in guter Übereinstimmung mit dem beobachteten Trend. Ähnliches ergibt sich auch aus der rein empirisch-statistischen Analyse der Beobachtungsdaten. Somit stellen alle vorliegenden Studien zum Problem der globalen Klimaänderungen, die verschiedene - anthropogene wie natürliche - Ursachen berücksichtigen, fest, dass der Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte sehr wahrscheinlich von menschlichen Einflüssen dominiert ist.

Wenn nun die Emission von Treibhausgasen weiterhin so stark ansteigt wie in den letzten Jahrzehnten, könnte sich aufgrund entsprechender Modellprojektionen die global gemittelte bodennahe Lufttemperatur in den nächsten 100 Jahren um weitere 1,4 - 5,8 C erhöhen. Der gegenüber früheren IPCC-Abschätzungen wesentlich höhere obere Wert dieser Unsicherheitsspanne (5,8 C gegenüber früher 3,5 C) ergibt sich im wesentlichen aus von Ökonomen entwickelten Szenarien anthropogener SO2-Emissionen, die erheblich unter früheren Annahmen liegen. Außerdem, wenn auch in geringerem Maß, kommt hinzu, dass in zwei kürzlich durchgeführten Klimamodellrechnungen auch die Reaktion der Biosphäre einbezogen worden ist, wobei eine verstärkte Ausgasung von CO2 aus den Böden auftritt. Sollten diese noch nicht genügend genau verstandenen Effekte überschätzt sein und beispielsweise der dämpfenden Wirkung der Bewölkung (ausgenommen Eiswolken, die wahrscheinlich verstärkend wirken) größeres Gewicht zukommen, fällt die Erwärmung wesentlich geringer aus.

Zu Überraschungen kann weiterhin das Verhalten der Meeresströmungen beitragen. Ihre Abschwächung, wie sie in einigen Modellrechnungen simuliert wird, kann u.a. den Wärmetransport in die höheren Breiten der Nordhemisphäre verringern, was beispielsweise in Europa die Erwärmung geringer ausfallen lässt. Sehr langfristig, nämlich für die Zeit nach 2100, besteht im Extremfall sogar das Risiko eines Abreißens des Nordatlantikstroms, der ein Ausläufer des Golfstroms ist. Dies könnte in dieser Region, einschließlich Nordwesteuropas, den Erwärmungstrend abrupt beenden und - ausgehend von dem bis dahin erreichten Niveau der Erwärmung - eine relative Abkühlung nach sich ziehen. Die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Vorgang lässt sich allerdings noch nicht definitiv abschätzen. In der Klimaforschung gibt es somit noch viele offene Fragen.

Andererseits gibt es aber auch deutliche Parallelen zwischen Modellsimulationen und beobachteten Trends, vor allem bei der Temperatur, aber auch beim Meeresspiegelanstieg und - mit Einschränkungen - beim Niederschlag. Der reiche Schatz an Erkenntnissen über beobachtete und modellierte Klimaänderungen, der zur Zeit für den dritten Statusbericht der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe des IPCC zusammengetragen wird (Veröffentlichung des umfassenden Berichts voraussichtlich im Mai 2001), liefert aber trotz der genannten Unsicherheiten und offenen Fragen eine tragfähige Grundlage für Klimaschutzmaßnahmen. Die UN-Klimarahmenkonvention (Rio de Janeiro, 1992) kann damit konkretisiert, das Kyoto-Protokoll (3. Vertagsstaatenkonferenz, 1997) umgesetzt werden. Dabei ist die darin angestrebte Emissionsminderung einer Gruppe von Treibhausgasen um 5,2% bis 2008/2012 gegenüber 1990 (präzisiert in einem Länderschlüssel, der die unterschiedlichen Beiträge der einzelnen Industrieländer festlegt; Deutschland verspricht im Rahmen der EU derzeit 21%) nur der Einstieg. Zur Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre, das zentrale Ziel der UN-Klimarahmenkonvention, ist allein beim CO2 mindestens eine Halbierung der anthropogenen Emissionen notwendig. Soll die Stabilisierung der Konzentration auf einem Niveau unterhalb der Verdoppelung des vorindustriellen CO2-Gehalts erreicht werden, muss die genannte Reduktion der CO2-Emission bis spätestens zur Mitte dieses Jahrhunderts erfolgt sein.

Aufgrund der bereits beobachteten Klimaänderungen, ihrer ursächlichen Interpretation und der in Zukunft zu erwartenden Entwicklung unterstützt die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) diese Zielsetzung nachdrücklich. Die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Klimaforschung reichen zweifellos aus, um international abgestimmte, effektive und baldige Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen. Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit sind dazu aufgefordert, sich entschieden und ohne Vorbehalte dafür einzusetzen. Gleichzeitig müssen die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Grundlage solcher Maßnahmen bilden, durch weitere intensive Klimaforschung erweitert und verbessert werden. Das Klima gehört zu den großen langfristigen Herausforderungen unserer Zeit. Es verträgt keine von der Tagespolitik und anderen Problemkreisen - auch wenn sie noch so gravierend sind - überdeckte Kurzatmigkeit, sondern erfordert ganz im Gegenteil besonderes Engagement und große Ausdauer über längere Zeit, und das sowohl in der Forschung als auch bei den Schutzmaßnahmen.



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Ansprechpartner für den Inhalt dieses Textes sind unter anderem



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Für die Deutsche Meteorologische Gesellschaft

Prof. Dr. Werner Wehry, DMG-Vorsitzender, Institut für Meteorologie, Freie Universität Berlin, Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10, 12165 Berlin, Tel.: 030-838-71197, Fax: 030-7919002, E-mail: wehry@met.fu-berlin.de

Dipl.-Met. Arne Spekat, DMG-Sekretär, Institut für Meteorologie, Freie Universität Berlin, Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10, 12165 Berlin, Tel.: 030-7970-8324, Fax: 030-7919002, E-mail: dmg@met.fu-berlin.de .

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